30.01.2016 – Bericht Schwäbische Zeitung

– von Erich Nyffenegger –
Der Bio-Adler im Höhenflug über Vogt

Eine Delikatesse für schwäbische Zungen: Hausgemachte
Brätknödelsuppe. Nyf
Schwäbische Küche in ihrer schönsten Form: schmackhaftes
Maultaschen-Trio im Vogter Adler.

Vogt sz – Da werden nicht wenige Vogter Bürger 2012 mit dem Kopf geschüttelt haben, als Familie Humburg ihren Landgasthof auf Bio umkrempelte. Und als sie sich dann 2014 noch den deutlich strengeren Demeter-Richtlinien unterwarfen, mag aus dem Kopfschütteln bei manchen sogar ein Schleudertrauma geworden sein.
Glücklicherweise stehen ab und zu noch richtige Dickköpfe hinterm Herd und folgen nicht dem Geschwätz der Leute, sondern ihrer eigenen Überzeugung. Und darum sind die Humburgs auch nicht umgefallen, sondern haben das zur Verfügung stehende Herzblut gänzlich in ihre Idee einer neuen und anderen Gastronomie gesteckt.
Dass sich dieser Mut gelohnt hat, deutet bereits die selbstbewusste Tatsache an, dass der Gasthof keinen Ruhetag hat und mit durchgehend warmer Küche von 11.30 bis 22 Uhr lockt. Wenn niemand käme, wäre das nicht zu vertreten. Aber die Gäste kommen – und zwar nicht etwa, weil sie alle Öko-Apostel wären. Sondern weil
das Essen einfach richtig gut ist. Dass es durch das Bio-Siegel aus besonders verantwortungsvollen und schonenden Quellen stammt, trägt zum Wohlgefühl bei.
Ohnehin ist es nicht schwer, sich in diesem uralten Gebäude zu Hause zu fühlen: tief hängendes Gebälk, honighelles Holz, ein
Dielenboden mit Charakter. Und am Stammtisch sitzen manchmal vormittags schon die, die da immer sitzen. Wirtshauskultur eben. Ohne aufgesetztes Chichi. Dafür stehen auch die beiden reifen Servierdamen, die den Gast aufmerksam bedienen, ohne den Bückling zu machen. Das hat etwas angenehm Selbstbewusstes, Mütterliches.

Doch von Atmosphäre allein wird der Mensch nicht satt – was also gibt es zu essen? Die größte Überraschung ist vielleicht, dass es sich tatsächlich in erster Linie um schwäbische Wirtshausküche handelt. Nur eben in Bio übersetzt und vor allem ohne die Pülverchen und Mittelchen der Chemie-Scharlatane, die mit ihrer Streuwürze vorgeben, den gestressten Köchen zu helfen, sie in Wahrheit aber in den langsamen Ruin treiben. Denn der Tütensuppe wegen kann der Mensch gleich zu Hause bleiben. Das hat Küchenchef Andreas Humburg offenbar verinnerlicht. Bezeugen kann das eine von Fleisch- und Gemüsearomen nur so glänzende Brühe. Als Einlage aalen sich Brätknödel in der Suppe. Bei Oma noch eine Alltäglichkeit, für den sentimentalen Schwaben inzwischen eine selten gewordene Delikatesse, zumal in so gelungener und geschmacklich runder Verfassung. Auch das Maultaschen-Trio – selbstredend vom Nudelteig bis zur Fülle selbst gemacht – stellt der Küche ein exzellentes Zeugnis aus. Optisch erinnern sie an frisch aufgeschüttelte Daunenkissen. Besonders intensiv schmeckt die Fülle der Wildmaultasche, die von Fleisch dominiert ist und nicht von Semmelbröseln. Die zwei Teigtaschen mit Spinat und Ricotta bilden einen delikaten Kontrast dazu, verstärkt durch das leichte Bechamel-Knoblauchsößle. Der Star aber ist die Rahmsoße zur klassisch schwäbischen Maultasche: intensiver Fleischgeschmack, Rahm nur als Akzent, abgerundete Würze.

Übrigens ist das Preisniveau trotz überdurchschnittlicher Qualität und teurer Rohstoffe in sehr angemessenem Rahmen. Und zum Schluss? Hausgemachtes Kürbiskerneis und eine Kugel Milchjoghurt. Betörend reichhaltig bei moderater Süße. Poesie zum Löffeln. Wenn Bio immer so gut schmeckte, die Welt wäre ein besserer Ort.

Landgasthof zum Adler
Ravensburger Straße 2
88267 Vogt
Telefon 07529-912212

geöffnet täglich ab 10.30 Uhr.

Hauptgerichte 14,90-27,50 Euro.

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